Versuchs mal mit Wunschzeit

Wie wäre es mit einem Spiel, mit dem sie Ihr Kind bei der emotionalen Bewältigung von medizinischen Eingriffen unterstützen können?


Ein Kind mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung zu haben ist ein einschneidendes Erlebnis für alle Beteiligten.


Vor 42 Jahren wurde ich mit einer seltenen und komplexen Fehlbildung geboren, die viele medizinische Eingriffe notwendig machte. Ich erinnere mich an ein Leben in zwei Welten: Krankenhaus und Familie. Meine Krankenhaus Erfahrungen waren bestimmt von unvorhersehbaren, schmerzhaften Eingriffen, leckeren weißen Brötchen mit Butter und Nutella, bunten Wänden denen man nicht entkommen konnte, dem Erlebnis, meine Mutter gehen zu sehen und alleine zurück zu bleiben und dem Blick aus großen Fenstern auf die Welt, nach der ich mich sehnte. Und immer ein ähnlicher Prozess: Ich gehe gesund ins Krankenhaus, die Angst, in den OP zu müssen, wissend, dass ich danach krank sein und Schmerzen haben werde, und der Prozess, sich wieder aufrappeln zu müssen, raus aus dem Bett, den Schmerz überwinden, den Gang entlang schlurfen, alle möglichen Schläuche, die unvorhersehbar gesteckt und gezogen werden, liebe Krankenschwestern, die einem mit warmen Lappen waschen, und die Oberschwester, vor der man sein Tischchen schön aufräumen muss, wenn man nicht Schwierigkeiten bekommen will. Oh boy - war ich in Schwierigkeiten mit meinem Chaos!


Wie schön wäre es gewesen, wenn ich Wunschzeit bekommen hätte, um die Unsicherheit und Angst etwas hinter mir lassen zu können. Aber meine Eltern kannten Wunschzeit nicht. Wunschzeit ist ein festgelegter Zeitrahmen, in der Regel zwischen 5-30 Minuten in dem der Erwachsene dem Kind die Führung übergibt. Er entscheidet wann und für wie lange Wunschzeit sein kann, bietet es dem Kind an und stellt einen Wecker für die vereinbarte Zeit. Im Krankenhaus wäre es gut, mit den Krankenschwestern sicherzustellen, dass es keine medizinischen Unterbrechungen gibt, damit ein geschützter Raum gegeben ist. Dann widmet er seine ganze Aufmerksamkeit dem Kind. Erinnern sie sich wie sie Ihr Baby bewundert haben, wenn sie es in den Armen hielten? Sehen sie sich ihr Kind jetzt an, wie wunderbar ist es herangewachsen. Spüren sie dieses Gefühl von Bewunderung und Liebe. Begegnen sie Ihrem Kind mit dieser Haltung, bieten Sie viel Augenkontakt, Zuneigung und Wertschätzung an. Sie sagen: “Ich habe 10 Minuten nur fuer Dich, mein Schatz. Was möchtest Du machen?” Kinder lieben diese Form der Aufmerksamkeit und werden sich ein Spiel überlegen. Das Kind hat die Führung und der Erwachsene folgt den Anweisungen. Grenzen werden nur gesetzt, wenn unmittelbare Gefahr droht. Der Erwachsene wird nichts vorschlagen, verbessern, belehren oder zeigen. Während Wunschzeit sollte er sich vollkommen auf dieses Kind einlassen können, ohne seine Aufmerksamkeit mit anderen Kindern oder Erwachsenen zu teilen.


Wenn ich Wunschzeit mit einem meiner Kinder, 1 und 3 Jahre alt, mache, bin ich oft erleichtert, dass ich mal loslassen und meine To-Do-Liste und mein Handy beiseite legen kann. Meine einzige Aufgabe ist es, mich meinem Kind zuzuwenden und zu beobachten, was es mir im Spiel mitteilt. Das Kind wird Themen ins Spiel bringen, die es beschäftigt, und sich mitteilen. Kinder lieben und geniessen Wunschzeit sehr und werden bald danach fragen. Aus pädagogischer Perspektive hilft Wunschzeit dem Kind, einen geschützten Rahmen zu finden, in dem es Neues probieren und schwierige Erlebnisse geschützt thematisieren kann. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt und durch den Rollentausch wird ein Ausgleich in der Eltern-Kind-Dynamik geschaffen, der Nähe und Vertrauen herstellt. Erfahrungen von Ausgeliefertsein und Hilflosigkeit wirkt Wunschzeit entgegen, indem das Kind die kompetente, führende Rolle erlebt. Das kann sehr heilend wirken.


Wunschzeit ist eine von 5 pädagogischen Methoden von “Hand in Hand - Parenting by Connection”. Dieser pädagogische Ansatz fördert die emotionale Bindung, weckt Lachen und Frohsinn in Kindern und bietet Eltern emotionale Unterstützung. Ob es sich um schmerzliche Gefühle wie Aggressionen und Ängste, oder schwierige Entwicklungsschritte handelt, mit diesen 5 Methoden kann die emotionale Entwicklung des Kindes gefördert werden. Anstelle in der Erziehung das Verhalten des Kindes zu problematisieren wendet sich dieser Ansatz der unterliegenden emotionalen Bedürfnissen zu.


Wunschzeit


  • Der Erwachsene setzt den Zeitrahmen.

  • Der Erwachsene schenkt dem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit.

  • Das Kind bestimmt die Aktivität.

  • Der Erwachsene folgt mit Begeisterung.

  • Grenzen werden nur gesetzt, wenn unmittelbare Gefahr droht.

  • Kein Belehren, Zeigen oder Vorschlagen vom Erwachsenen.

  • Das Kind hat die Rolle des Kompetenten.




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